Mit Hightech gegen Corona

Ein Blick hinter die Kulissen der Produktion von Gesichtsvisieren

Lisa Neumann gibt uns einen persönlichen Einblick in die Arbeit des „Fabrikations-Labors“ in Siegen, veröffentlicht am 29.05.20

Als ich Anfang März 2020 anfing, im Fab Lab Siegen zu arbeiten, konnte noch niemand ahnen, dass sich nur wenige Wochen später alles verändern würde.
Als die Räume für die Öffentlichkeit geschlossen und wir alle ins Home Office geschickt wurden, wusste ich zunächst nicht, was zu tun war. Ein Teil meines Jobs ist es, interessierte Bürgerinnen und Bürger im Fab Lab Siegen willkommen zu heißen und Auskünfte zu 3D-Druckern, Virtual Reality und Lötwerkzeug zu geben – das fiel plötzlich alles weg.

In drei Dimensionen gegen das Virus

Recht schnell wurde aber klar, dass wir nicht untätig sein würden, solange es einen Lieferengpass bei Schutzausrüstung gab.
Und so hat das Team früh beschlossen, sich auf der Plattform „Maker vs. Virus“ als Koordinations- und Produktionsstätte zu engagieren und zu vernetzen, um die sogenannten Prusa Shields herstellen und kostenfrei an medizinische Einrichtungen verteilen zu können. Prusa Shields sind durchsichtige, gesichtsbedeckende Visiere aus Plastik.
Das Design der Visiere ist „Open Source“, das heißt, es wurde von einem 3D-Drucker-Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt und kann je nach Bedarf und Materialverfügbarkeit selbstständig angepasst werden.

Wo bleibt das Material?

Doch ganz so einfach war es erst mal nicht: Arbeitsgenehmigungen mussten eingeholt werden, verschiedene Gremien mussten das Vorhaben absegnen, damit wir ungefährdet arbeiten konnten und auch die Uni juristisch auf der sicheren Seite blieb.
Als dann endlich Genehmigungen für vier unserer Mitarbeiter da waren, standen wir vor dem nächsten Problem: Innerhalb weniger Tage war das Material, aus dem die Gesichtsvisiere bestehen sollten, nahezu restlos vergriffen oder nur noch zu horrenden Preisen zu bekommen.
Jeder brauchte plötzlich Plastikfolien in 0,5 mm Stärke.
Dank der Unterstützung von Univ.-Prof. Volkmar Pipek und dem Dekan der Fakultät III, Univ.-Prof. Dr. Marc Hassenzahl, konnte jedoch ein erster Schwung Material beschafft werden. Es folgte eine großzügige Spende der Bürgerstiftung, weitere Unternehmen und Privatleute spendeten Lochgummibänder und Folien.

Zerreißprobe für den Maschinenpark

Die Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler (ASK) bestellte sogar kurzerhand zehn Kilogramm Filament, damit das Dutzend 3D-Drucker im Lab weiterlaufen konnte.
Innerhalb von zwei Wochen konnten die ersten 100 Schilde an das Kreisklinikum Weidenau und das Marienkrankenhaus ausgeliefert werden, es folgten die Kinderklinik, das Jung-Stilling Krankenhaus, die Feuerwehr Hünsborn und verschiedene andere Einrichtungen. Der Bedarf war groß. Insgesamt gingen Anfragen für rund 3000 Visiere bei uns ein – eine echte Zerreißprobe für unseren Maschinenpark, der sonst selbst von den versierten Nutzern nicht in diesem Maße gefordert wurde!

Da ich selbst keine Genehmigung für das Betreten der Räume hatte und beim Zusammenbau der Visiere nicht helfen konnte, koordinierte ich von Zuhause aus den Bedarf der Einrichtungen und die Lieferungen, kümmerte mich um die Öffentlichkeitsarbeit und gab Auskunft, wenn jemand etwas spenden wollte. Meine Einarbeitung in den Alltag im Fab Lab Siegen und an der Universität wurde also ein wenig verschoben, denn alltäglich ist so eine Pandemie zum Glück nun wirklich nicht. Ich bleibe optimistisch, weil ich in einem guten Team arbeiten kann und glaube, dass die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Siegen auch mit dieser Krise fertig werden. Wenn das alles vorbei ist, kommen Sie mal im Fab Lab vorbei!

29. Mai 2020

Impressionen

Als zu Beginn der Corona-Krise die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FabLab der Universität Siegen ins Home Office geschickt wurden, entwickelten sie kurzfristig die Idee, mit ihren 3D-Druckern Gesichtsvisiere für Helfende in Krankenhäusern oder bei der Feuerwehr zu erstellen.

Infos

Fab Labs (Fabrication Laboratories, dt. Fabrikationslabore) sollen Menschen – also unabhängig von Expertise, Ausbildung und Hintergrund – nützlich sein, um Projekte in Austausch und Zusammenarbeit mit anderen planen und umsetzen zu können.
Genau diese Möglichkeiten des Austauschs, des Teilens von Wissen sind die mit Abstand wichtigsten Angebote und Ziele eines solchen Labs, von denen es weltweit mittlerweile Hunderte gibt. Fab Labs sind eng verwandt mit Hack- und Makerspaces oder, allgemeiner, Innovation Hubs und stehen gerade auch mit der in den Medien in letzter Zeit zunehmend thematisierten Maker-Kultur in Zusammenhang, in der es ebenfalls um Do-It-Yourself und die kreative Nutzung von Technologie geht.

In der Coronakrise 2020 wurde hier kurzfristig vom offenen Betrieb auf die Produktion von behelfsmäßigen Gesichtsvisieren umgestellt, die während des Engpasses bei der Belieferung mit Schutzausrüstung kostenlos zu Hunderten an regionale Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen ausgeliefert wurden.
Die Visiere sind ein Open Source-Projekt und bestehen aus einer Folie, die mit dem Laser zugeschnitten wurde und Stirnriemen aus dem 3D-Drucker. Die Maschinen liefen auf Hochtouren, Material- und Geldspenden wurden zusammengetragen und die Versorgung der wichtigsten Einrichtungen unter Beachtung aller nötigen Hygienemaßnahmen sichergestellt.

Interessierte Bürgerinnen und Bürger können hier (nach einer verpflichtenden Sicherheitsunterweisung) niederschwellig neue Technologien ausprobieren, wie z.B. 3D-Druck und Virtual Reality.
Auch die Benutzung einer Nähmaschine, einer CNC-Fräse oder eines Roboterarms ist möglich, sowie das Löten und Programmieren im Elektronikbereich – Reinschnuppern lohnt sich!
Hierbei hilft das Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gern weiter und erklärt die verschiedenen Maschinen genauer. So können die Scheu vor der Technik abgebaut und neue Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks oder auch der beruflichen Weiterbildung aufgezeigt werden.

https://fablab-siegen.de/

Lageplan

Schlagworte

Autorin:

Lisa Neumann ist Jahrgang 87 und lebt seit ihrer Grundschulzeit in Siegen. Die Stadt ist zu ihrer Wahlheimat geworden.

Sie ist gelernte Mediengestalterin mit kleinem Verlag und arbeitet seit März 2020 im Fab Lab Siegen als Managementassistenz.

Dort ist sie unter anderem für Koordination und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

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