Vom Wasserspiel zum "Kerker"

Ein Kinderspaziergang in den 1980ern

Eine persönliche Kindheitserinnerung von Arno Schmidt – veröffentlicht am 21. Januar 2020

Die sonntäglichen Ausflüge nach Siegen sind für mich eine unvergessliche Erinnerung an meine Kindheit in den 1980er Jahren. Natürlich sind wir nicht jeden Sonntag in die Stadt gefahren, aber wenn, dann war es meist die gleiche Route. Vom tollen Brunnen an der Nikolaikirche ging es den steilen Berg hinauf zum Highlight: Der Spielplatz unterhalb des Oberen Schlosses war das Größte für meine Schwester und mich. Unsere Eltern hatten es nicht einfach, uns von dort wegzulocken. Doch mit dem Argument, dass im Schlosspark ja der „Kerker“ und die „Kanonen“ auf uns warten würden, hatten sie immer Erfolg. Heute weiß ich natürlich, dass der „Kerker“ einer der ehemaligen Brunnen im Schlosshof ist … doch als Kinder haben wir uns dort die märchenhaftesten Geschichten ausgedacht und uns eben vorgestellt, dass die „bösen“ Menschen damals einfach dort hineingeschmissen wurden.  Zurück am Wasserspiel am Markt durfte ein Eis natürlich auch nicht fehlen.

Anmerkung von „Unser Siegen“

Über das „Wasserspiel“ am Markt in der Fißmer-Anlage

Für die Neugestaltung der Fißmer-Anlage, die nach dem Krieg  direkt an der Nikolaikirche errichtet wurde, wurde auch ein Brunnen in Auftrag gegeben. Ladislaus Schwartz hat 1976 für die Neugestaltung des Platzes den Bronzebrunnen als „Wasserspiel“ gefertigt (Markt). Er atmet den Geist der 1970er Jahre, mit seiner Verbindung der Gegensätze: Da ist einerseits die gewölbte, an Muscheln oder geomorphe Formen erinnernde, stark strukturierte Oberfläche und andererseits gibt es die glatten, streng geometrischen, zylindrischen Formen, die daraus erwachsen. Das von weitem ein wenig Ufo-ähnliche Gebilde steht in einem Wall aus Steinen, der Brunnen- oder Burganlagen-Charakter hat (und im Frühjahr und Sommer nicht nur Kinder zum Balancieren einlädt). 

Die gesamte Anlage erinnert daran, wie notwendig der Schutz des Wassers in der Stadt ist, und wie sehr andererseits das Wasser Bedingung für städtisches Leben ist. Es ist insofern ein „Wasserspiel“ von großer Ernsthaftigkeit.

Informationen aus: Kunst am Bau, Broschüre zur Werkstatt „Kunst am Bau“ im Rahmen des Geschichtsforums Wiederaufbau Siegen, herausgegeben 2012 von der Gesellschaft für Stadtmarketing Siegen e. V., Redaktion: Astrid Schneider, Autorin: Dr. Gunhild Müller-Zimmermann

Impressionen

Die Erfrischung am Bronzebrunnen „Wasserspiel“ auf dem Markplatz an der Nikolaikirche hat Arno Schmidt (rechts im Bild) in seiner Kindheit sehr genossen. Foto: Alfred Schmidt

Lageplan

Schlagworte

Autor: Danke an Arno Schmidt, der uns die Geschichte erzählte und das Foto sandte. 

Die Geschichte mit Freunden teilen

Share on facebook
Facebook
Share on email
Email

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Seid Ihr Dabei?

Hier könnt Ihr Euch in unseren E-Mail Verteiler eintragen. 
Datenschutzerklärung

Newsletter abonnieren